Die Kraft des Denkens

Immer bewusster wird mir, wie sehr mein Wohlbefinden, meine Gefühle, mein zwischenmenschliches Miteinander, die Beziehung zu meinem Körper und vieles mehr….. abhängig ist von der Art und Weise wie ich darüber denke. Wie viel Macht gibt mir diese Erkenntnis zurück, wie viel Ruhe stellt sich ein, wenn ich allein durch die Überprüfung und das Loslassen meiner Gedanken meine Welt um mich herum verändern kann.

„Ich muss zum Zahnarzt gehen“ (in 30min hab ich einen Termin) , totaler Stress entsteht, wenn ich den Gedanken glaube, dass ich muss…..

„Ich darf zum Zahnarzt gehen“ ….wenn ich jetzt in mich reinfühle, dann habe ich keinen großen Stress, ich fühle sogar Dankbarkeit, dass jemand mir meinen Zahn „repariert“…….ist viel mehr wahr.

„Ich möchte zum Zahnarzt gehen“….klar, sonst hätte ich keinen Termin gemacht. Ich möchte, dass mein Zahn schmerzfrei wird…

Jetzt kann ich gehen ohne Stress, im Gegenteil, mit Dankbarkeit über die Hilfe.

The Work ist wunderbar – Freiheit kann sich einstellen, egal was vor mir liegt……

… und gleichzeitig

IMG_20160309_132459 (2)

Die Sonne wird bald von einer Regenwolke verdeckt sein, und gleichzeitig bleibt die Sonne, wo sie ist und scheint weiter…..

Dieses Bild lässt mich nachdenken – über meinen Blickwinkel, wie ich meine Welt wahrnehme, was ich über sie denke, welche Alternativen ich habe.

Und ich beschließe, heute mal nach meinem “ und Gleichzeitig“ zu suchen, wenn ich in einer alltäglichen Situation einen belastenden, stressvollen Gedanken denke.

Als ich heute Morgen in den Spiegel schaue, sehe ich Falten um die Augen und denke:“ Mensch, sehe ich alt aus, ich könnte mal mehr für mein Äußeres tun“. Mein Magen zieht sich zusammen und mein Gesichtsausdruck wird finster. Ich schaue nochmal hin……
…..und gleichzeitig sehe ich gelebtes Leben in meinem Gesicht, Erfahrungen, Lachfalten, ich sehe offene, grüne Augen, die super funktionieren, schöne Haare…..
…..und ich lächele mich an.

Später komme ich in die Küche und mein Sohn hat noch nicht den Frühstückstisch gedeckt, er ist vertieft in seiner Welt und spielt vor sich hin- im Schlafanzug. Ich denke: „Oh Mann, immer ist er so verträumt und hat die Zeit nicht im Blick“. Mein Puls steigt und ich möchte ihn am liebsten anmeckern. Ich halte inne…..
…..und gleichzeitig sehe ich ein phantasievolles, wunderbares Kind, glücklich und entspannt- ohne Zeitdruck, ohne müssen, sollen, brauchen…..
…..und ich nehm ihn in den Arm.

Ich gehe vor die Tür zum Auto- es regnet, ich werde nass und friere. Ich denke: „Blöder Regen, ich will, dass es endlich Frühling wird, und meine Haare sehen nachher wieder schlimm aus“. Ein Schauer läuft mir über den Rücken.
Ich schaue noch einmal zum Garten…..
…..und gleichzeitig sehe ich, wie wichtig Regen für die Natur, unseren kleinen Garten, ist und wie schön bald alles blühen wird, wenn es genug regnet…..
……ich zieh entspannt die Kapuze über den Kopf.

Am Nachmittag stolpere ich über einen vollen Wäschekorb vor unserer Waschküche. Ich denke:“Sooo viel zu waschen wieder, müssen sich die Jungs ständig umziehen, können sie nicht mal sparsamer mit ihren Klamotten umgehen?“ Wut steigt in mir auf.
Ich betrachte den Wäscheberg noch einmal…..
……und gleichzeitig sehe ich, dass sie das tun was wir Ihnen beigebracht haben, sich zu waschen, frische Kleidung zu tragen- Körperhygiene. Sie bringen ihre Sachen nach unten…..
……ich stopfe zufrieden ein Teil der Klamotten in die Waschmaschine.

Ich fahre später meine Mutter nach hause und sie regt sich über ihren Nachbarn auf, der sie nicht beachtet hat und nicht sieht, was sie alles für ihn tut. Ich denke:“Warum muss sie ihren Frust immer bei mir abladen, ich kann nichts machen, sie muss das selbst klären, immer möchte sie Anerkennung von anderen.“
Mein Herz wird ganz schwer und ich höre ihr kaum noch zu.
Noch einmal drehe ich mich zu ihr und sehe in ihr Gesicht……
…..und gleichzeitig sehe ich eine Frau, die seit 4 Jahren alleine lebt, zu Hause niemanden mehr hat, der ihr zuhört. Ich ihre Tochter bin und sie schon oft für mich da war, wenn ich eine Geschichte loswerden wollte. Ich sehe, dass sie lediglich erzählt, mit mir sich unterhalten möchte, gesehen werden möchte……von mir und anderen.
……ich nicke ihr mitfühlend zu und drück sie liebevoll zum Abschied.

Das Leben mit einem „und gleichzeitig“ zu betrachten ist wundervoll, im wahrsten Sinne des Wortes, es hält Wunder bereit…….

„Die Realität ist immer freundlicher als dein Denken.“(Byron Katie)

In meinen Angelegenheiten zu bleiben ist eine Vollzeit- Aufgabe. (Byron Katie)

IMG_6657

Ich hatte ein Geschenk für einen Freund selbst gestaltet und es ihm an Weihnachten überreicht. Nachdem er es ausgepackt hatte, wirkte er geknickt und sagte zu mir, er wäre enttäuscht über mein Geschenk, denn er mache sich auch immer viele Gedanken.

Ich stand wie angewurzelt da und der Gedanke :“ Ich kann es ihm nie recht machen“ schoss durch meinen Kopf, auch „Er sollte mein Geschenk wertschätzen“ hämmerte in meinen Gedanken. Wenn ich diese Gedanken glaube, der andere sollte wertschätzen, was ich ihm schenke und er tut es aber nicht oder ich sollte es ihm recht machen und habe es ihm gleichzeitig nicht recht gemacht, dann bin ich total abhängig von ihm und seiner Reaktion, ich verkrampfe innerlich und spreche nicht mehr viel. Ich kritisiere mich, vielleicht hätte ich mir mehr Mühe geben sollen, mir mehr Gedanken machen müssen. Ich bin eingeschnappt und fühle mich wie das kleine Mädchen in der Schule, dessen Bild von der Lehrerin nicht gelobt wurde, obwohl sie sich Mühe gegeben hat. Ich möchte mich rechtfertigen. Ich stecke in einem Drama ohne Ende fest.

Ohne diese Gedanken zu glauben, kann ich mit ihm über seine Enttäuschung sprechen und verschließe mich nicht. Ich bin nicht abhängig von ihm und nehme seine Reaktion nicht persönlich. Ich kann erkennen, dass es seine Angelegenheit ist, ob ihm das Geschenk gefällt oder nicht. Meine Angelegenheit ist, das Geschenk, das ich geschenkt habe, zu wertschätzen. Ich bin der einzige Mensch, dem ich überhaupt nur etwas recht machen kann, anderen etwas recht machen zu wollen ist ein Pokerspiel, kann klappen oder auch nicht. Der Wunsch macht mich sehr abhängig und bedürftig und entfernt mich von mir selbst.

Wenn ich die belastenden Gedanken umdrehe, dann sind sie auch wahr:

Ich kann es mir nie recht machen
– Ich stehe nicht zu mir und meinen Entscheidungen, ich stelle mich und mein Geschenk in Frage. Die Kritik anderer lässt mich schnell an mir selbst zweifeln.

Ich sollte sein Geschenk wertschätzen
– das Geschenk der Ehrlichkeit. Das er sagt, was er wirklich fühlt. Das ist wunderbar und ich fühle Dankbarkeit, dass er nicht heuchelt und seine Gefühle verbirgt. Ich kann es aushalten, weil seine Gefühle seine Angelegenheit sind.

Ich fühle mich ihm nahe- entgegen jeder Erwartung.

Meine Gedanken machten daraus das Drama, weil ich mich mit ihnen in den Angelegenheiten eines anderen befand.

„Nein, natürlich würde ich diesen Moment nicht für irgendetwas eintauschen. Ich kann nicht.“(Byron Katie)

IMG_20151024_074123[1]

Ich bin krank.
Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Husten. Vieles was ich mir für diese Woche vorgenommen habe, fällt nun aus und ich bin zu Hause. Mein Bett ist mein liebster Platz. Das Gefühl etwas zu verpassen beschleicht mich. Der Gedanke: „Ich verliere Zeit“, taucht in meinem Kopf auf. Auch der Gedanke:“Ich sollte funktionieren!“ klebt wie Kaugummi in meinem Schädel und belastet mich, ich überlege ständig, ob ich doch nicht irgendetwas tun kann, so vom Bett aus. Manchmal treibe ich einen meiner Männer an, etwas im Haushalt zu machen. Komischerweise tun sie das auch, wenn ich nichts sage, merke ich bald. Auch meine Mutter hilft mit, sie ist wunderbar.

Wenn ich den Gedanken glaube, dass ich Zeit verliere, dann fühle ich mich schwach und werde wütend auf meinen Körper, weil er krank ist. Ich gehe dann unfreundlich mit meiner Familie um und möchte, dass sie Sachen übernehmen, die meine Angelegenheit sind. Noch schlechter fühle ich mich, wenn ich den Gedanken glaube, dass ich funktionieren sollte. Das schnürt mir fast die Kehle zu und ich behandel mich wie einen Esel, der seine Säcke nicht mehr tragen kann und trotzdem mit der Peitsche angetrieben wird. Ich mag mich nicht.

Wer treibt den Esel an? Wer hält die Peitsche in der Hand? Wer glaubt meine Gedanken? Wer akzeptiert diesen Moment nicht?  – natürlich ICH.

Wer wäre ich ohne diese Gedanken?

Ich bin einfach nur krank, ich kümmere mich um mich und schau was mir gut tut. Der Wunsch, so schnell wie möglich gesund zu werden, ist nicht mehr da, ich kann den Moment akzeptieren. Vor Allem lasse ich meine Männer in Ruhe oder bitte sie nett um Hilfe, so wie ich es von Ihnen auch möchte, wenn sie meine Hilfe brauchen. Ich erkenne, dass niemand außer mir verantwortlich ist, wie ich mich fühle.
Wow, ich kann eine ganz tiefe Verbundenheit zu meiner Familie spüren und bin dankbar, dass sie mich begleitet (ob bewusst oder unbewusst) auf meiner „Reise zu mir selbst“. Sie sind so WUNDERBAR!  Ich fühle mich frei und tue alles für meinen Körper, damit es ihm besser geht. Ohne die Gedanken mag ich mich, auch wenn ich krank bin.

Fühlt sich etwas wie ein Sonnenaufgang an 😉

 

 

„Stress ist die Alarmglocke, die dich wissen lässt dass du an etwas festhältst, dass für dich nicht wahr ist.“ Byron Katie

Belastende, unwahre Gedanken verzerren die Realität.

Ich sitze im Auto und möchte zügig zur Arbeit fahren, der Verkehr ist dicht und stockt. Der Gedanke: „Ich darf nicht zu spät kommen!“ entsteht in meinem Kopf. Wenn ich diesen Gedanken glaube, dann steigt mein Blutdruck, ich spüre Aufregung und fühle Druck in meinem Kopf. Ich bin genervt, wenn mir ein anderer Autofahrer vor die Nase fährt, ich mache mir Vorwürfe zu spät losgefahren zu sein. Ich bin unaufmerksam beim Fahren und fange an, mir unangenehme Szenen bei meiner Ankunft auszumalen. Andere Verkehrsteilnehmer strafe ich mit einem bösen Blick ab.

Wenn ich den Gedanken in dieser Situation nicht denke, nicht glaube, dass er wahr ist, dann bin ich entspannt, ich überlege, wie ich bescheid geben kann, dass es später wird. Meine Aufmerksamkeit liegt bei der Verkehrssituation. Mein Körper bleibt ruhig und ich kann der Autofahrerin nebenan ein Lächeln schenken, wenn sich unsere Blicke kreuzen.

Die Situation, im stockenden Verkehr zu stecken, bleibt mit und ohne Gedanke die Gleiche. Ich kann mir allerdings helfen, nicht unter dieser Situation zu leiden.

Wenn ich die Realität anders haben möchte, als sie ist, dann leide ich.

Ich brauche von dir, dass du mich toll findest.

Wie verhalte ich mich, wenn ich diesen Gedanken glaube, während ich mich z.B. mit dir unterhalte?

Ich verbiege mich. Ich bin traurig, weil ich nicht ehrlich mit mir umgehe. Ich mache dir  Dinge recht. Ich bin nicht authentisch. Ich fühle mich klein, unscheinbar und lächle verlegen. Ich verkrampfe innerlich.

Ohne diesen Gedanken zu glauben kann ich ich selbst sein. Ich kann auch dich so sein lassen, wie du bist.Ich kann wirklich hören, was du sagst. Ich fühle mich frei und entspannt. Ohne diesen Gedanken habe ich den Mut meine Meinung liebevoll zu sagen. Es entsteht ein liebevolles Gefühl in mir, für mich und für dich.

Wir können uns wirklich begegnen.
Ich brauche von dir nicht, dass du mich toll findest.
Ich brauche von mir, dass ich mich toll finde.
Ich brauche von mir, dass ich dich toll finde.